Die Kategorien der planetaren Grenzen

Plastik und die planetaren Grenzen

Planetare Grenzen

Ich möchte heute versuchen, Plastik in das Konzept der planetaren Grenzen einzuordnen. Anlass ist eine kürzlich veröffentlichte Studie zu diesem Thema. Derzeit werden in der Wissenschaft neun planetare Grenzen besprochen. Mit planetaren Grenzen sind ökologische Veränderungen gemeint, die die Lebensgrundlage der Menschen ganz allgemein gefährden. Dabei geht es nicht um eine romantische Vorstellung von der Natur oder unserem Planeten. Es handelt sich um grundlegende, globale ökologische Systems, deren Veränderung oder Zerstörung unser aller Leben auf lange Sicht ganz praktisch gefährden kann.

Zu diesen neun planetaren Grenzen gehören die Klimaveränderung, der Zustand unserer Ozeane, der Zustand unserer Süßwasserbestände, biochemische Kreisläufe, die Ozonschicht, der Zustand der Atmosphäre, Biodiversität- und Artenvielfalt, Landnutzung und die sogenannten Novel Entities. Letztere werden zu Deutsch oft etwas sperrig als „Einbringung neuartiger Substanzen und Organismen“ zusammengefasst. Das klingt komplex, gemeint ist aber nichts anderes als alle von uns Menschen erzeugten Chemikalien, die so gar nicht oder nicht in größeren Mengen in der Natur vorkommen. Dazu zählt letztlich auch Plastik.

Nach Einschätzung der Studie überschreiten wir bereits 5 dieser 9 Grenzen. Darunter auch jene der Novel Entities.

Unser schöner neuer Plastik-Planet

Derzeit gibt es rund 350.000 von Menschen produzierte Chemikalien. Ganze 70.000 davon wurden allein in den letzten 10 Jahren neu eingeführt. Zu diesen 350.000 Chemikalien zählen auch jene, aus denen Plastik aller Art gemacht wird, aber auch Pestizide und pharmazeutische Produkte. Die Produktionsmengen dieser Chemikalien haben sich von 1950 bis heute in etwa verfünfzigfacht und werden sich laut Prognose bis ins Jahr 2050 nochmal verdreifachen.

Nun gehören Kunststoffe aller Art, in unzähligen Formen und Variationen, ebenso zu diesen Novel Entities. Die besagte Studie kommt zu dem Schluss, dass mit dem bisherigen Eintrag dieser Chemikalien in die Natur bereits eine planetare Grenze überschritten wurde. Das bedeutet, das diese Stoffe jetzt schon Ökosysteme in einer Weise beeinträchtigen oder zerstören, die für uns Menschen eine Gefahr darstellt. Die Beurteilung rührt nicht zuletzt daher, weil Regierungen dieser Welt die Kontrolle darüber verloren haben, wer wie viel produziert und auch darüber, wie man den Sondermüll der hinten raus kommt adäquat behandeln kann. Apropos Sondermüll: allein in Österreich fallen jährlich 900.000 Tonnen Plastikmüll an. Man kann getrost behaupten, dass eine globale Übertragung dieser Tatsache jegliche menschliche Vorstellungskraft übersteigt.

Um dem spezifischen Problem Plastik (innerhalb der Novel Entities) nochmal Gewicht zu verleihen, sei an dieser Stelle erwähnt, dass das gesamte Plastik auf der Erde mittlerweile mehr wiegt als alle lebenden Tiere zusammen. Und 80% des jemals produzierten Plastiks sind immer noch auf diesem Planeten und werden auch von allein nicht verschwinden. Wenn man nun bedenkt, dass Plastik innerhalb der 350.000 besagten Chemikalien nur ein Teil ist, kann man sich leicht vorstellen, dass die planetaren Grenzen in dieser Kategorie weit überschritten sind.

Alles zu spät?

So viel zur schlechten Nachricht. Die gute Nachricht ist, dass sich schon Nostradamus mit dem Weltuntergang geirrt hat. Daher sollten wir uns bis dahin nicht davon abhalten lassen, das Richtige zu tun.

Ein Vorschlag der Studienautoren ist es daher, absolute Grenzen der Neuproduktion von Novel Entities zu setzen. So notwendig das auch ist, so fern scheint ein derartiger politischer Kraftakt noch zu sein.

Unser Vorschlag ist es, zuerst mal selbst Hand anzulegen. Genauer gesagt dort ins Handeln zu kommen, wo es einem möglich ist. Oberste Prämisse in Bezug auf Plastik sollte dabei sein, völlig darauf zu verzichten. Weder die Verbrennung, noch die Wiederverwendung, noch Re- oder Downcycling können aus heutiger Sicht mit der unfassbaren Produktionsmenge Schritt halten.

Komm ins Tun und steck andere damit an!


Wir möchten dir gerne ein paar Inspirationen mit auf den Weg geben, damit der erste – oder ein weiterer – Schritt etwas leichter fällt.

Reparieren
versuche Geräte aller Art reparieren zu lassen. Einweg-Verpackungsmüll und verbauter Kunststoff in Geräten produzieren riesige Müllberge – meist woanders. Auf diesem Sektor tut sich mehr, als man glauben möchte. Eine tolle Anlaufstelle dafür ist das Reparaturnetzwerk.

https://www.reparaturnetzwerk.at

Mehrweg
Greif zu (Glas-)Mehrwegflaschen wo immer es geht. Mach dich für Einweg- und Mehrwegpfand stark und unterstütze solche Initiativen indem du deren Angebot nutzt.

https://infothek.bmk.gv.at/pfandsystem-fuer-oesterreich-3-punkte-plan/

Unterstütze Problemlöser
Unterstütze, wenn du kannst, beispielsweise The Ocean Cleanup. Dieses grandiose Projekt fischt nicht nur tonnenweise Plastik aus den Ozeanen, sondern arbeitet weltweit mit lokalen Regierungen zusammen, um mit ihren „Interceptors“ den weiteren Eintrag über Flüsse zu minimieren.

https://theoceancleanup.com/

Fordere die Unternehmen heraus
Seid streng und versucht rauszufinden, wie ernst es Unternehmen ist, bei denen ihr gerne einkauft. Schreib Emails an Unternehmen und stelle sie zur Rede.

Fordere deine Politiker heraus
Sprich mit deinen Kontaktpersonen aus Politik und Wirtschaft in deiner Region. Die meisten Initiativen starten in kleinen Regionen oder Grätzln.

Kaufe ethisch und verzichte auf Einwegverpackung
Und nicht zuletzt – unterstützt Unverpacktläden und kauft auf Märkten ein. Verzichtet auf so viel Einwegverpackung, wie möglich. Der tägliche Lebensmitteleinkauf hat großen Einfluss auf euer Haushalts-Müllaufkommen.

Sei neugierig und offen
Finde Alternativen zu deinen gewohnten Konsummustern. Eine gute Anlaufstelle als Starthilfe ist Zero Waste Austria.

https://www.zerowasteaustria.at/

Sei realistisch und nicht zu streng mit dir selbst
Ein letzter Tipp, der uns sehr wichtig ist. Versucht bei allen Bemühungen einen weit verbreiten Fehler zu vermeiden: Setzt die Welt die ihr euch wünscht nicht voraus. Manches ist einfach noch nicht möglich. Weder für uns als Privatpersonen noch für Unternehmen. Pfeift auf Perfektion und geht einfach los. Gemeinsam mit uns und vielen anderen.

Auf geht’s!

Quellen:
Link zu einer Zusammenfassung der Studie: https://www.ecowatch.com/plastic-pollution-chemicals-earth-health.html
Link zur Studie: https://pubs.acs.org/doi/10.1021/acs.est.1c04158

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Plastik – Reduzieren? Vermeiden? Recyclen? oder einfach verweigern?

von unserer Autorin Romina

Verweigerung von Plastik – eine Alternative gegen Vermüllung

Plastik ist ein ernstzunehmendes Problem, dessen Ausmaß immer deutlicher wird. Reste von Kunststoffen, beispielsweise Einwegverpackungen, die meist nur wenige Minuten in Verwendung sind, lassen sich mittlerweile überall auf der Welt in nicht überschaubaren Dimensionen vorfinden. Wie du gleich lesen wirst, spiegeln die Meere diese Problematik ganz besonders deutlich wider. Aufgrund der globalen Auswirkungen von Plastikmüll ist zukunfts- sowie lösungsorientiertes Denken und Handeln heutzutage eine dringende Notwendigkeit.

Wir haben uns dazu einige Gedanken gemacht und möchten dir, liebe*r Leser*in, anhand wissenschaftlicher Fakten aufzeigen, wie wichtig Veränderungsstrategien jetzt sind, aber auch, was für eine große Rolle du als Einzelperson darstellst und wie du mittels Verweigerung von Plastik eine positive Welle zum Schutz der Umwelt auslösen kannst!

Vermüllung mit Kunststoffen – das Meer als klares Beispiel

Um Lösungen zu generieren, ist zunächst die Veranschaulichung der Problematik notwendig. Plastikmüll ist zweifelsohne an allen Ecken und Enden der Welt allgegenwärtig. Es begleitet uns beim Weg in die Arbeit, beim Zähneputzen, beim Kochen oder im Urlaub am Meer.

Apropos Meer – Hast du schon einmal vom großen pazifischen Müllfleck (Great Pacific Garbage Patch) gelesen? Hier handelt es sich um eine vom Nordpazifikwirbel entstandene Insel aus 1,8 Billionen Plastikteilchen (Bilanz steigend). Der Great Pacific Garbage Patch wurde 1997 vom Seemann Charles Moore zwischen Hawaii und Kalifornien entdeckt und ist mittlerweile die weltweit größte Ansammlung von Ozean-Plastik.

Selbst die Tiefsee bleibt von Kunststoffresten aller Art nicht verschont. Wissenschaftler der Newcastle University untersuchten die sechs tiefsten Stellen der Weltmeere, beispielsweise im Challengertief, dem tiefsten Punkt der Erde, und sammelten rund 90 Organismen ein. Fast alle der gesammelten Lebewesen hatten Plastik in ihren Mägen. Von halbsynthetischen Zellulosefasern bis hin zu Resten von Plastikflaschen, Fischernetzen oder Verpackungsmaterial. Solche bis zu 5 Millimeter kleinen Überbleibsel von Kunststoffprodukten werden Mikroplastik genannt. Das Waschen von synthetischen Textilien sowie der von Kraftfahrzeugen erzeugte Reifenabrieb machen laut IUCN 63 Prozent der im Meer gesammelten Mikroplastikteilchen aus. Die restlichen 37 Prozent setzen sich aus Feinstaub, Abtrag von Straßenmarkierungen, Schiffsbeschichtungen, Rückständen aus Kosmetika sowie Plastikpellets zusammen. Als Verbreitungswege von Plastik, ergo Mikroplastik, zählen unter anderem Kläranlagen, Abfalldeponien, Luft und Grundwasser.

Anthony L. Andrady, Chemiker des amerikanischen Research Triangle Institutes, sagt: „Jedes kleine Stück Kunststoff, das in den letzten 50 Jahren hergestellt wurde und ins Meer gelangte, ist dort immer noch irgendwo“.

Garbage Patch
https://theoceancleanup.com/great-pacific-garbage-patch/

Charles Moore
https://www.ted.com/talks/charles_moore_seas_of_plastic

Arten von Plastik
https://www.global2000.at/plastikarten

Studie Newcastle Uni
https://www.nature.com/articles/s41559-016-0051

IUCN
https://www.iucn.org

Anthony L. Andrady Studie
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0025326X11003055

Die gute Nachricht?

Die Plastikverschmutzung könnte bis 2040 um fast 80 Prozent gesenkt werden. Zumindest theoretisch, denn dies ist nur machbar, wenn überall auf dem Globus konsequente Anstrengungen durchgesetzt würden, welche sowohl beim Konsum und bei der Nutzung als auch bei der Verarbeitung und dem Plastikmüll-Recycling ansetzen. Zu diesem Schluss kommt ein internationales Team der NGO The Pew Charitable Trusts sowie Wissenschaftler*innen mehrerer Forschungseinrichtungen.

Studie: https://science.sciencemag.org/content/369/6510/1455

Organisationen als Vorreiter zur Rettung der Meere und Gewässer

Das wundervolle Projekt The Ocean Cleanup, welches vom ehemaligen Luft- und Raumfahrttechnik Studenten Boyan Slat ins Leben gerufen wurde, stellt ein sehr gutes Beispiel für optimistisches Handeln dar. Nachdem Slat 2011 als 16-jähriger beim Tauchen in Griechenland mehr Müll als Fische entdeckt hatte, war er so entsetzt, dass er von diesem Tag an ein Ziel verfolgte: 90 Prozent des Plastikmülls aus Flüssen und Meeren einsammeln. Für diese schier unmögliche Aufgabe erfand er unter anderem den Interceptor, der in den am stärksten verschmutzten Flüssen der Welt platziert und durch Solarenergie betrieben werden kann. Dort fängt der Interceptor Müll aus den Flüssen, bevor sie ins Meer gelangen können. Seine anfangs als naiv abgestempelte Konzeptionen gelten nun weltweit als die ersten skalierbaren Lösungen zur Prävention der Meeresverschmutzung.

Auch in Österreich bewegt sich was. Die Menschen hinter dem Projekt Plastic Free Danube haben sich zum Ziel gemacht, Kunststoffabfälle an der Donau zu untersuchen, Daten über das Ausmaß der momentanen Verschmutzung zu sammeln und dementsprechend Aktionspläne gegen Plastikabfälle zu erstellen. Das Team hat neben diesem auch schon ein Folgeprojekt, in dem es um die Stärkung des transnationalen Wassermanagements und der Prävention von Hochwasserrisiken geht.

The Ocean Cleanup
https://theoceancleanup.com

Interceptor Beitrag
https://theoceancleanup.com/updates/interceptor-series-production-to-start/

Plastic Free Danube
https://www.viadonau.org/unternehmen/projektdatenbank/aktiv/plasticfreedanube/

Folgeprojekt: http://www.interreg-danube.eu/approved-projects/tid-y-up

Warum jeder Mensch zählt

Wir Menschen sind durchaus in der Lage ökologisch wertvolle Konzepte aus einem gegenteiligen Status quo zu erschaffen. Natürlich geben aber nicht nur Organisationen wie The Ocean Cleanup oder Plastic Free Danube den Ton zur Rettung der Meere und Umwelt an. Wir Wiener*innen und alle anderen Individuen auf dieser Erde sind ein mindestens genauso großer Teil davon.

Wir erinnern uns: Die Plastikverschmutzung könnte bis 2040 um fast 80 Prozent gesenkt werden, wenn überall auf dem Globus konsequente Anstrengungen durchgesetzt würden, welche sowohl beim Konsum und bei der Nutzung als auch bei der Verarbeitung und dem Plastikmüll-Recycling ansetzen. Das bedeutet, dass jede*r Einzelne am Zug ist und mittels nachhaltigem Konsum und Nutzen von Plastik einiges bewirken kann. Ein gemeinschaftliches Handeln würde die Politik, Wirtschaft und Industrie zu Veränderungen auffordern. Je mehr Menschen Plastik verweigern, desto eher werden die Großindustriellen reagieren und desto mehr kann man bereits engagierte Organisationen indirekt unterstützen.

Nein Danke, lieber ohne!

Was wäre, wenn man Plastik ab sofort so gut es geht verweigern würde? Ganz nach dem Motto Nein Danke, lieber ohne!

Zur Plastikverweigerung im Alltag gibt es dutzende Anhaltspunkte.

Da wäre beispielsweise

  • das Einkaufen ohne Plastikverpackungen. Bewusst unverpackt und LIEBER OHNE Einwegverpackungen einzukaufen setzt ein eindeutiges Zeichen und könnte Beteiligte, etwa den/die Verkäufer*in, zum Nachdenken anregen. Ein Plastiksackerl wäre ohnehin nur wenige Minuten in Verwendung. Wieso also nicht zu Alternativen greifen?
  • die Vielfalt von Alternativen zu Plastikprodukten, die es ermöglicht, gänzlich auf Plastik zu verzichten. Um nur wenige Beispiele zu nennen, gäbe es die gute alte Tragetasche aus Baumwolle, kompostierbare Müllbeutel oder Lunchboxen aus Edelstahl.
  • das Thema Recycling. Obgleich Recycling einen umweltfreundlichen Kern darstellt, so geht es auch mit einigen Problemen einher. In einem sehr ausführlichen, mit Infografiken bestückten Bericht des EU Parlaments zum Thema Plastikmüll und Recycling in der EU steht: “Weniger als ein Drittel der Kunststoffabfälle in Europa wird recycelt.“ Dieser sehr geringe Anteil des Kunststoff-Recyclings bedeutet immense Verluste für die Umwelt, aber auch die Wirtschaft. Wer gar nicht erst zu Plastik greift, verhindert diese Problematik.

Natürlich ist Plastik verweigern keine leichte Aufgabe, zumal es sich quasi an jeder Ecke befindet und man sich für dieses Vorhaben gezielter bewegen und vorbereiten muss. Die Verweigerung von Plastik baut nichtsdestotrotz auf einem hohen Mehrwert sowohl für Mensch als auch für Umwelt auf und jeder kleine Schritt in diese Richtung dient dem Wohl aller Beteiligten. Ein Paradigmenwechsel ist jetzt wichtiger denn je!

EU Parlament: https://www.europarl.europa.eu/news/de/headlines/society/20181212STO21610/plastikmull-und-recycling-in-der-eu-zahlen-und-fakten

Gemeinsam in die Zukunft

Wir dürfen nicht vergessen, dass wir Menschen zwar die Ursache, gleichzeitig aber auch die Lösung des Problems sind. Wenn wir bewusst hinsehen, verändert sich unser Blickwinkel. Von da an sind wir bereits Teil der Lösung und dann heißt es nur noch Handeln. Für dich selbst, für die Umwelt, für die Tiere, für deine Mitmenschen, für die Gegenwart und die Zukunft!